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Deutsche Meisterschaften in Biberach - Akugue und Hassan triumphieren

Titel der 49. Deutschen Tennismeisterschaften in Biberach gehen an Noma Noha Akugue und Benjamin Hassan.

14.12.2020  Allgemein
Bild: Mathias Schulz

Eine arbeitsintensive Woche ist zu Ende

 

(wtb/tv). Die neuen Deutschen Tennismeister heißen Noma Noha Akugue (Der Club an der Alster) und Benjamin Hassan (TK Kurpark Aachen). Die 17-jährige aus dem Raum Hamburg ist die damit die jüngste Titelträgerin der bislang zwölf Mal in Biberach ausgetragenen Hallenmeisterschaften. Jünger waren 1984 die damals 15-jährige Steffi Graf bei den Hallenmeisterschaften in Mainz und Isabel Cueto (16) bei den damals zusätzlich auch unter freiem Himmel ausgetragenen nationalen Titelkämpfen.

 

Als erste am Ziel war am Sonntag im Linkshänderinnenduell Noha Akugue aus dem Porsche Talent Team. Wie schon gegen Alexandra Vecic (TC Tübingen) im Halbfinale kam sie gut ins Match, ein frühes Break stärkte ihr Selbstbewusstsein, auch im zweiten Satz nahm sie Nastasja Schunk (BASF TC Ludwigshafen) frühzeitig den Aufschlag ab und zog auf 5:1 davon. Bis zum tatsächlich verwandelten Matchball war’s dann aber dennoch ein kleines Stückchen Weg, bäumte sich Schunk – auch sie Mitglied im Porsche Team - ein letztes Mal auf, konnte letztlich aber nicht mehr verhindern, dass Noha Akugue ihre siebte Chance auf den Titel der Deutschen Meisterin 2020 endlich nutzte (6:3, 6:3). Auf ihrem Weg hatte sie unter anderem auch die Gesetzten Jule Niemeier (TC Bad Vilbel, 2) und Tayisia Morderger (Tennispark Versmold, 5) nach Satzverlust eliminiert. „Wie schon in den letzten Tagen hier in Biberach habe ich auch im Endspiel versucht, ohne Erwartungen auf den Platz zu gehen und das Beste rauszuholen. Dass es am Schluss nochmal eng wurde, lag weniger an meinem Kopf, sondern daran, dass mich meine fünf Matches auch körperlich mitgenommen hatten“, meinte Noma Noha Akugue zu ihrer triumphalen Woche.

Einen bis zuletzt offenen und auch äußerst offensiven Schlagabtausch lieferten sich im Männerfinale zwischen Benjamin Hassan (TK Kurhaus Aachen) und Elmar Ejupovic (TC Bad Homburg). Wie schon bei seinem Sieg am Vortag gegen Titelverteidiger Daniel Masur (Tennispark Versmold) suchte der an 5 gesetzte Ejupovic erneut recht häufig den Aufschlagweg durch die Mitte, verdient ging der erste Satz mit 6:4 an ihn. Hassan jedoch ging maximal bei mutigen Volleyattacken in die Knie, bot in der Folge das variantenreichere Repertoire in einem insgesamt kraftvollen Spiel, wobei es letztlich Nuancen waren, die am Ende des Tages den Unterschied machten. Mit 7:5 sicherte sich Hassan den zweiten Satz im Tiebreak, mit einem Break im siebten Spiel des dritten Satzes machte er den Weg frei, um schließlich zu Null zum 6:4 das mit knapp drei Stunden zweitlängste Match dieses Turniers auszuservieren (4:6, 7:6(5), 6:4).

 „Ich bin jetzt erst einmal erleichtert und natürlich auch stolz, dass sich für mich das ganze Training nach einer sehr langen Turnierpause für mich ausgezahlt hat“, freute sich der 25-Jährige. Zu Spiel selber meinte er: „Ich hatte insgesamt gut retourniert und mich aus schwierigen Situationen, auch durch gute Antizipation, immer wieder befreien können.“ Elmar Ejupovic erkannte dies neidlos an: „Er war einfach zu stark.“ Auf seinem Weg ins Finale hatte der in Biberach an Position 4 gesetzte Benjamin Hassan auch Jim Walder (TC Iserlohn), Michael Weindl und Jakob Schnaitter (beide TC Ismaning) sowie Henri Squire (TC Kaiserswerth) bezwungen.

Belohnt wurden die beiden neuen Deutschen Meister mit jeweils 3600 Euro Preisgeld, für Platz zwei gab’s 2300 Euro. Insgesamt waren die Deutschen Meisterschaften mit 34.000 Euro dotiert, auf einen Mixed-Wettbewerb ist verzichtet worden. „Es war ein besonderes Turnier in einem besonderen Tennisjahr“, fasste WTB-Präsident und Turnierdirektor Stefan Hofherr bei der abschließenden Siegerehrung zusammen. „Es war eine arbeitsintensive Woche, insbesondere der ganzen Hygienemaßnahmen wegen. Die Teilnehmer sind damit aber sehr diszipliniert umgegangen und haben gezeigt, dass sich Tennisspieler daran halten können. Ich bin der Überzeugung, dass es richtig war, diese Meisterschaften durchzuführen und zu zeigen, dass wir unter den durchgeführten und befolgten Hygienemaßnahmen Tennis stattfinden lassen können.“

Zum sportlichen Verlauf meinte Hofherr: „Auch wenn wir keine Zuschauer vor Ort hatten, so war es doch möglich, alle 94 Partien live im Internet über den Streamingdienst Tennis-Channel zu verfolgen, ab den Halbfinalspielen co-kommentiert von Mischa Zverev. Eine Riesenüberraschung bei den Titelträgern haben wir meiner Meinung nach nicht erlebt, die neuen Deutschen Meister sind gut durchs Turnier marschiert und haben sehr konstant gespielt. Auch hat sich gezeigt, dass diese Meisterschaften ein Sprungbrett für den Nachwuchs sein können. Viele, die sich hier behauptet haben, haben in den Folgejahren eine gute Entwicklung genommen“, so Stefan Hofherr.

Auch wenn sie persönlich nicht vor Ort sein konnten, so gratulierten auch direkt nach den Finals DTB-Präsident Ulrich Klaus und DTB-Vize-Präsident Wettkampfsport Thomas Heil nachrichtlich: „Besonders erfreulich ist, dass bei den Damen der Nachwuchs die Gelegenheit genutzt und sich in den Vordergrund gespielt hat“, sagte DTB-Präsident Ulrich Klaus, und Thomas Heil ergänzte: „Es war uns wichtig, die Deutschen Meisterschaften auch im Jahr 2020 stattfinden zu lassen. Auch wenn dies ohne Zuschauer geschehen musste. Mein Dank gilt den Verantwortlichen beim Württembergischen Tennis-Bund um Turnierdirektor Stefan Hofherr für die reibungslose Organisation und Durchführung der Deutschen Meisterschaften. Trotz einer kurzen Planungs- und Vorbereitungszeit haben die Rädchen wie in den vergangenen Jahren sehr gut ineinandergegriffen und die Spielerinnen und Spieler haben sich wohl betreut sowie vor allen Dingen sicher gefühlt.“

Mit den Worten „Kleine Stadt – ganz großes Tennis“ zog schließlich auch Biberachs Oberbürgermeister Norbert Zeidler am Schlusstag Bilanz, nachdem er sich die Finalspiele angesehen hatte. „Dieses Turnier hätte viele Zuschauer verdient gehabt, aber nach dem Turnier ist ja vor dem Turnier, und so hoffe ich, dass wir uns dann im nächsten Jahr im Dezember auf die 50. Deutschen Tennismeisterschaften in Biberach freuen dürfen. Mein Dank gilt allen Ehrenamtlichen, die auch unter erschwerten Bedingungen mit vollem Elan bei der Sache waren. Ebenso danke ich den Sponsoren, die den Tennismeisterschaften auch heuer die Treue gehalten haben.“

 

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49. Deutsche Meisterschaften in Biberach an der Riß, 7.-13.12.2020

Frauen Einzel – Hauptfeld, Halbfinale: Nastasja Schunk (BASF TC Ludwigshafen) - Selina Dal (BASF TC Ludwigshafen) 6:2, 4:6, 6:1; Noma Noha Akugue (Der Club an der Alster) - Alexandra Vecic (TC Tübingen) 6:1, 6:4; Finale: Noha Akugue – Schunk 6:3, 6:3.

Männer Einzel – Hauptfeld, Halbfinale: Elmar Ejupovic (TC Bad Homburg) - Daniel Masur (Tennispark Versmold) 7:6(6), 6:3; Benjamin Hassan (TK Kurhaus Aachen) - Henri Squire (TC Kaiserswerth) 6:3, 6:4; Finale: Hassan - Ejupovic 4:6, 7:6(5), 6:4.