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Endlich wieder Spielbetrieb!

Es hat sich wie ein erster Schritt in die Normalität angefühlt, als der WTB schrieb: Die Verbandsrunde ist abgesagt – es lebe die Corona-Verbandsrunde, die jetzt offiziell als „WTB-Wettspielrunde“ durchgeführt wird. Leider gab es zum Zeitpunkt des Meldeschlusses einen kleinen Wermutstropfen - Doppel zu spielen, war von der Landesregierung noch nicht genehmigt. Bei rechtzeitiger Freigabe wären die Meldezahlen sicher höher gewesen. Etliche Kommentare lassen vermuten, dass das zumindest im Seniorenbereich positive Auswirkungen gehabt hätte.

25.06.2020  Bezirk F  Spielbetrieb

Auf Verbandsebene waren Anfang Februar 926 Teams, verteilt auf 150 Gruppen, gemeldet. Übrig geblieben sind davon nach dem 1. Juni 279 Mannschaften (rund 30 % der ursprünglichen Zahl) in 60 Gruppen. Immerhin 27 Vereine unseres Bezirks nehmen mit 37 Teams teil. Die TA Spfr. Schwendi ist mit fünf, die TA SSV Ulm 1846 mit drei, der TC Ehingen, die TA VfB Ulm der TC Meckenbeuren-Kehlen und der TC Berkheim mit je zwei Verbands-Mannschaften vertreten. Mit je einer überregionalen Mannschaft kämpfen der TC Bad Schussenried, TC Weingarten, TA SV Grimmelfingen, TC Stafflangen, TA SV Oberteuringen, TC Sigmaringen, TC Markbronn, TA TSV Eschach, TC Mengen, TA TSG Söflingen, TC Bad Saulgau, TC Langenau, TC 99 Bergatreute, TC Mietingen, TA SC Staig, TC Isny, SPG Blautal, TC Langenargen, TC Wangen, TA TSV Berghülen und TV Biberach-Hühnerfeld. Die Statistik verrät uns einen gewaltigen Geschlechterunterschied bei den Aktiven- und Seniorenmannschaften: Bei den Damen wird in 14 Gruppen gespielt, bei den Herren sind es derer 37. Erfreulich ausgeglichen ist es dagegen bei der Jugend auf Verbandsebene: Fünf Gruppen Junioren (20 Teams), vier bei Juniorinnen (21 Teams). Auf Bezirksebene kamen immerhin 85 statt der 156 Gruppen zustande (rund 55 %). Hier kämpfen von ursprünglich 1.038 nun noch 353 Mannschaften um Punkt, Satz und Sieg (34 %).

Was sagen die Vereine dazu? Ein Überblick:
Die Auswahl nimmt nicht für sich in Anspruch, repräsentativ sein. Die Vereine wurden nur stichprobenartig angeschrieben und haben auch nicht durchgehend geantwortet. Dennoch finden wir es interessant, welche Erfahrungen dargestellt wurden.
 
TC Bad Schussenried (Bernd Elshof, Trainer): „Für uns war immer klar, wenn gespielt wird, dann sind wir dabei! Alle bisherigen Mannschaften sind wieder gemeldet. Sie waren motiviert, können LK-Punkte erspielen, man kann aufsteigen, man kann Doppel spielen, also eine ganz normale Runde. Viele Vereine/Mannschaften haben vermutlich nur die etwas unglücklich formulierte Überschrift "Verbandsrunde fällt aus" gelesen und dann nicht gemeldet.“

TA SSV Ulm 1846 (Adrian Wimmer, Sportwart): „Im Vordergrund des Entscheidungsprozesses stand die Freiwilligkeit der Teilnahme. Die Trainer kontaktierten die Mannschaften und berichteten dem Vorstand. Bei den Damen 1 (WL) fiel die Entscheidung aus sportlichen Gründen, da zwei Spielerinnen international antreten wollten und dadurch der mögliche Aufstieg in Regionalliga nicht zu schaffen war. Die Herrenmannschaften haben geschlossen gemeldet. Bei den Jugendmannschaften wurden aufgrund der nicht vorhandenen Auf- und Abstiegsregelungen nur einige Mannschaften gemeldet und zwar jene, die sich selbst organisieren und trotz fehlendem sportlichen Anreiz unbedingt spielen wollten.“

TC Weingarten (Billy Dignath, Jugendwart): „Organisiert haben wir das zunächst auf Vorstandsebene mit der Grundsatzentscheidung. Die Mannschaftsführer sprachen es in ihren jeweiligen Teams ab. Beim operativen Ablauf wird sicher trotz guter Organisation etwas improvisiert, wir bekommen das hin, wenn alle zusammenhalten. Letztlich haben sich die eher ehrgeizigen Spieler entschieden, zu spielen. Hauptgrund war, sie trainieren das ganze Jahr und jeder Wettkampf ist gut. Das galt auch im Jugendbereich, wo die Eltern ihren Kindern ermöglichen wollten, neben dem Training auch Matchpraxis zu sammeln.
Wer sich gegen die Teilnahme entschied, argumentierte, dass die Umstände zu kompliziert seien. Man dürfe sich nicht einmal gegenseitig zuschauen und nach dem Spiel sei kein Beisammensein erlaubt. Damit war jeder Mannschaftsgedanke hinfällig. Gerade im Jugendbereich wäre Aufwand und Nutzen bei Auswärtsspielen unverhältnismäßig gewesen. Gesundheitliche Bedenken spielten keine wesentliche Rolle.“

SSG Ulm 99 (Julian Graf, Vorstand): „Leider haben wir nur zwei Mannschaften (eine Herren- und eine Juniorenmannschaft) sowie die U15 als Spielgemeinschaft gemeldet. Ausschlaggebend für die Meldungen war, dass man gerne Tennis im Wettbewerb spielt und nicht nur trainiert. Für alle anderen Mannschaften war anfangs alles so unsicher und mit zu vielen Einschränkungen behaftet.“

TA Spfr. Schwendi (Josef und Matthias Lerch, Abteilungsausschuss): „Der Abteilungsausschuss stellte allen die Teilnahme an der Verbandsrunde frei. Kommuniziert wurde über die Sport- und Jugendwarte: „Möchtest du spielen - ja oder nein?“. Wir zogen nur Herren und Damen 2 sowie Herren 30 zurück. Bei den Jugendlichen gab es fast ausschließlich positive Resonanz und zwar sowohl von Seiten der Kids als auch der Eltern. Letztere sind vor allem durch den vermehrten Fahrdienst gefordert, sollte beschränkte Personenanzahl je Auto nicht aufgehoben werden. Das große Interesse an der Verbandsrunde und dem Mannschaftsspiel bleibt für alle das absolute Highlight im Tennissommer. Deshalb wollten unsere Spielerinnen und Spieler, trotz der Corona-Einschränkungen, an der Verbandsrunde teilzunehmen! Durch das nun mögliche Doppel wird die Corona-Runde zur fast normalen Verbandsrunde. Schwendi schickt 14 Mannschaften ins Rennen!“

TC Leutkirch (Jürgen Bärtle, Sportwart): „Die am 18. Mai veröffentlichte Information zur Corona-Wettspielrunde 2020 hat mit dem Eingangssatz „Die Verbandsrunde Sommer 2020 ist abgesagt“ begonnen. Das war sehr unglücklich formuliert, denn damit wurden viele Vereine und Spieler „abgeschreckt“ und haben wohl die Corona-Runde als „Freundschaftsspiele“ verstanden. Eine 60%-Anmeldequote (anstatt 39%) hätte ich für machbar gehalten, zumal man sich ja jederzeit straflos abmelden kann. Als langjähriger Sportwart des TC Leutkirch habe ich von Anfang an positiv auf unsere Mannschaften eingewirkt und auf die bis zum Rundenstart Ende Juni zu erwartenden Lockerungsmaßnahmen hingewiesen. Bei uns wurden sieben von elf Teams gemeldet. Ich weiß von den umliegenden Clubs aus Isny, Aichstetten und Herlazhofen, dass hier von Vorstandsseite sehr reserviert mit diesem Thema umgegangen und nur vereinzelte Teams gemeldet wurden.“

TV Biberach-Hühnerfeld (Silke Müller, 2. Jugendwartin): „Wir haben bereits in der letzten Saison Mannschaftsführer in verschiedene Themen miteingebunden, teilweise ausgebildet und sind zu einem gut funktionierenden tollen Team geworden. Somit konnten wir dieses Jahr auf vollständige WhatsApp-Gruppen zurückgreifen und brauchten nur wenige Tage, um ein Feedback aller Spieler zu bekommen. Neun Jugendmannschaften waren geplant, abgesagt wurde nur die U12-Mannschaft. Bei der Jugend war es einfach die pure Lust am Tennisspielen und natürlich mit dem Team gemeinsam unterwegs zu sein. Die Absage bei U12 kam durch die Ungewissheit, wieviel Kinder in einem Auto mitfahren dürfen. Da die Spiele mittwochs geplant waren und viele Muttis arbeiten, konnten wir nicht garantieren, dass alle rechtzeitig am Spielort gewesen wären. Für die Jungs ist das natürlich schade, sie werden aber als Ersatz bei U15 eingesetzt. Organisiert wurde das alles im Teamwork von Trainer Vitali Slauta, der neu eröffneten Tennisakademie unter Führung von André Maier und natürlich vielen, vielen engagierten Muttis…“

In allen weiteren Kontakten wiederholen sich diese Eindrücke, wie z.B. auch bei Gernot Maier (Vorsitzender des Bezirks und des TC Bad Saulgau): „Ich war etwas enttäuscht, dass doch weniger Mannschaften gemeldet haben. Die Aussicht, eventuell keine Doppel spielen zu dürfen, nur zu zweit im Auto anzureisen, nicht zu duschen und gesellig beieinander sitzen zu können, hat bei vielen älteren Spielern zur Entscheidung geführt, dann lieber nicht zu melden. Vereine mit kleinen Anlagen und Clubhäusern hatten Angst, die Hygiene-Auflagen nicht einhalten zu können.
Auch in den Regionen um Bad Schussenried, Leutkirch, Schwendi, Weingarten, Biberach und Ulm entstand der Eindruck, dass die Kommunikation bei etlichen Vereinen zwischen Vorstand, Trainer und Mannschaften ungenügend war. Es gab Teams, die spielen wollten, deren Vereine sie aber nicht meldeten. Spieler berichteten, dass sie selber gerne gespielt hätten, aber die Mannschaftskollegen waren nicht motiviert. Die ursprünglich geltenden Einschränkungen trugen zur niedrigeren Mannschaftsmeldung bei. Dabei gibt es fast nur Vorteile (kein Abstieg, flexible Termine, Lockerungen wie erwartet, LK-Punkte, Abmeldung jederzeit möglich). Aber, viele haben nicht mit den Lockerungsmaßnahmen gerechnet und wollten nur bei einigermaßen normalem Betrieb antreten.

Eine weitere Zusammenfassung aus den unterschiedlichsten Kontakten: „Wenn man die Gesamtsituation beleuchten will, muss man berücksichtigen, dass jeder Verein anders aufgestellt ist. Mit ein Grund sind die Finanzen: Einige Vereine sind wirtschaftlich stark angeschlagen, da Einnahmen aus Training, Turnieren und Veranstaltungen fehlen. Rein finanziell gesehen ist die Verbandsrunde daher auch ein Kostenfaktor. Bei vielen hochklassig spielenden Mannschaften werden Spieler bezahlt (das macht in einer Liga ohne sportlichen Wert einfach keinen Sinn). Ob weitere Ausgaben entscheidend waren, ist von Verein zu Verein sicher unterschiedlich zu bewerten.“ Die Gründe zum „Nichtantreten“ sind so vielfältig wie die Vereinslandschaft in unserem Bezirk Oberschwaben/Alb-Donau. Trotzdem freuen sich 390 Mannschaften auf eine spannende „WTB-Wettspielrunde“ - und auch darüber werden wir demnächst berichten können.

Edith Pichler