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Interview: Wir müssen auf Vorgaben reagieren!

Ende Mai hat die WTB-Geschäftsstelle über die wichtigen Änderungen im Jugendtennis für die Saison 2020 informiert. Neben der reduzierten Teamgröße, anstatt Sechser-Teams wird es im Spielbetrieb dann nur noch Vierer-Teams sowohl im Sommer als auch Winter geben, wird auch die Altersklasseneinteilung verändert. Zukünftig wird der Jugendspielbetrieb im WTB in den Altersklassen U12, U15 und U18 durchgeführt. Im Interview mit Württemberg Tennis spricht Verbandsjugendwart Stefan Böning über die Hintergründe dieser Änderungen.

11.06.2019  Jugend

Herr Böning, Reformen im Spielbetrieb stehen nicht oft auf der Tagesordnung. Weshalb gerade jetzt?
Wir haben hier oft nicht die Freiheit, dies selbst zu entscheiden. Der Ausschuss für Ranglisten und Leistungsklassen des DTB hat für viele Themen die Entscheidungshoheit. Der Ausschuss hat zur Aufgabe, eine gerechte und aussagefähige Rangliste für Gesamtdeutschland zu erstellen. Damit wird natürlich eine Vereinheitlichung des Spielbetriebs angestrebt. Wenn der Ausschuss Änderungen vornimmt, müssen wir in den Verbänden reagieren, da wir (vor allem unsere Spieler) sonst gegenüber anderen Landesverbänden benachteiligt werden.

Schauen wir auf die reduzierte Teamgröße. Was war der Auslöser dieser Änderung und welche Vorteile sind damit verbunden?
Was die wenigsten wissen, nur noch in Hessen und Württemberg gibt es Sechser-Mannschaften in der Jugend. Also hat der Ausschuss für Ranglisten und Leistungsklassen entschieden, dass die Soll-Mannschaftsgröße eben bei vier Spielern liegt. Um diese Entwicklung voranzutreiben, werden die Ranglistenpunkte an Position fünf und sechs gestrichen oder so abgewertet, dass sie gegen 0 gehen.
Die Vorteile für diese Mannschaftsgröße liegen aber eher auf Bezirksebene. Schon heute haben wir mehr Vierer-Mannschaften und der Trend geht weiter in diese Richtung. Teilweise haben wir in den Bezirken gar keinen Unterbau bei den Sechser-Mannschaften. Wenn wir dies nun zusammenführen, entsteht wieder eine breitere und vernünftige Basis.

Also wäre keine andere Alternative möglich gewesen?
Eigentlich ist es alternativlos. Wir müssen unsere leistungsstarken Spieler schützen. Wenn in anderen Landesverbänden Spieler für die gleiche Leistung Ranglisten-Punkte bekommen und bei uns nicht, dann müssen wir handeln.

Kritiker wird es dennoch geben. Was entgegnen Sie denen?
Ich selbst saß in der Kommission der Verbandsjugendwarte und war zuerst überrascht, dass wir in Württemberg (und Hessen) alleine mit unseren Sechser-Mannschaften dastehen. Damit war auch klar, dass mein Veto gegen die Vorgabe des Ausschusses für Rangliste und Leistungsklassen abgeschmettert wird. Dann habe ich mir gedacht, oh je, wie bringe ich das den Vereinen bei? Doch je mehr ich darüber nachgedacht habe, umso deutlicher wurden mir die Vorteile dieser Entscheidung. Das wäre mein Wunsch an die Verantwortlichen, einmal darüber schlafen und dann urteilen.

Die Änderung der Altersklasseneinteilung bietet dagegen wohl weniger Nährboden für Kritiker…
Wir reden hier von einer Änderung von U14 auf U15. Viele sagen schon lange, dass der Einstieg mit 15 in die U18 Wettbewerbe teilweise ein zu großer Schritt ist. Aber viel gravierender ist die Einführung von U12. Wir müssen auch hier einen ranglistenrelevanten Wettbewerb einführen, der einerseits mit dem Kids-Cup kollidiert, und wir noch im Detail klären müssen, wie wir die Spieltage dann für U18, U15 und U12 organisieren.

Hat diese Änderungen eigentlich auch eine Auswirkung auf die Ranglistenberechnung?
Natürlich kam auch diese Vorgabe aus dem besagten Ausschuss. Zusätzlich wurde dies in der Kommission der Verbandsjugendwarte als klarer Auftrag an die Landesverbände delegiert.

Sind diese Änderungen nur der erste Schritt oder ist in naher Zukunft mit mehr zu rechnen?
Ich selbst bin eher ein Traditionalist und möchte keine sinnlosen Veränderungen. Allerdings müssen wir auf Vorgaben reagieren und auf generelle Veränderungen in der Gesellschaft. In der Jugendsportkommission des WTB diskutieren wir permanent darüber, was wir tun können, um mehr Kinder am Turnier- und Spielbetrieb zu beteiligen. Da werden sicherlich auch neue Ideen entstehen und damit weitere Veränderungen. Ich bin kein Freund von Zweier-Teams, aber auch hier sind andere Landesverbände schon aktiv. Auch das Thema Jugend-Bezirksmeisterschaften steht zur Diskussion (auch hier bedingt durch eine Vorgabe des DTB).