Springe zum Seiteninhalt

Offener Brief an die Landesregierung

Offener Landesregierung an die Regierung der Interessengemeinschaft Leistungssport der Tennisverbände in Baden-Württemberg e.V.

11.06.2021

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,
sehr geehrte Frau Ministerin Schopper,
sehr geehrter Herr Minister Lucha,
sehr geehrte Frau Ministerialdirigentin Engelhardt,
sehr geehrter Herr Ministerialrat Erb,

 

wir wissen, dass das Regieren eines Bundeslandes in Pandemiezeiten kein leichtes Unterfangen ist, weshalb wir bislang viel Verständnis für die meisten Ihrer Entscheidungen aufgebracht haben. Wir haben Nachsicht walten lassen und es oft im Guten versucht. Allerdings sind gerade in den vergangenen Wochen viele Regelungen erlassen worden, die nicht durchdacht, nicht sinnvoll, nicht nachvollziehbar und vor allem nicht verhältnismäßig sind. Darüber hinaus bemängeln wir Ihr generelles Verhalten gegenüber den Tennisverbänden in Baden-Württemberg. Unsere zahlreichen Angebote zur Erarbeitung einer sportartspezifischen Regelung wurden ignoriert und unbeantwortet belassen. Die völlig nachvollziehbare äußerst negative Stimmung, die momentan unter den rund 300.000 Tennissportler*innen in Baden-Württemberg herrscht, hätte durchaus vermieden werden können. 

 

Für die zuletzt getroffenen Entscheidungen und in der Corona-Verordnung festgelegten Regelungen haben wir absolut kein Verständnis. Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland in Deutschland, das die ersten Öffnungsschritte, die auf die Bundesnotbremse folgen, mit Verschärfungen beginnt. Während wir bei einer Inzidenz von über 100 für ein Einzelspiel im Freien keinen Coronatest benötigen, ist bei einer Inzidenz von 35-100 plötzlich und völlig unerwartet grundsätzlich ein Test-, Impf- oder Genesenennachweis vorgeschrieben. Beim Ausüben eines Individualsports, bei dem jedem Sportler mehrere hundert Quadratmeter Fläche zur Verfügung steht, gelten somit strengere Regelungen, als beim Shoppen in der Innenstadt. Nochmals zur Verdeutlichung: eingekauft wird in der Regel nicht im Freien, Tennis gespielt dagegen schon. Vielleicht stellen Sie beim Lesen dieses Absatzes selbst fest, wie absurd die nun erlassene Regelung ist.

 

Zudem kritisieren wir Ihre Untätigkeit, eine langfristigen Differenzierung zwischen „drinnen“ und „draußen“ sowie zwischen Mannschafts- und Individualsportarten vorzunehmen, scharf. Seit über einem Jahr setzen wir uns hierfür vehement ein, leider ohne erkennbaren Erfolg. Wir mussten leider den Eindruck gewinnen, dass weder das Sozialministerium noch das Kultusministerium sich bemühte, den individuellen Gegebenheiten der einzelnen Sportarten Rechnung zu tragen. Sollte dies an mangelnder Kenntnis liegen, so fragen wir uns erneut, warum auf unsere mehrmaligen Angebote zum Dialog und Unterstützung nicht eingegangen wurde. Sie hätten uns und vermutlich auch viele andere Sportverbände jederzeit zu Rate ziehen können.

 

Des Weiteren treiben Sie mit den aktuellen Regelungen einen Keil zwischen uns Verbände und unsere Mitglieder. Für viele Vereine, Mannschaften und Spieler sind nämlich nicht nur Sie als Landesregierung für diese Maßnahmen verantwortlich, auch wir müssen uns als „umsetzende Stelle“ tagtäglich mit äußerst negativ behafteten Beschuldigungen auseinandersetzen und das wohlgemerkt im Ehrenamt. Darüber hinaus zerstören Sie Vereinsstrukturen und überlasten das Ehrenamt in den Vereinen mit Ihren nicht nachvollziehbaren und unverhältnismäßigen Entscheidungen. Schon vor der Pandemie war es schwierig, Ehrenamtspositionen zu besetzen. Durch die aktuelle Situation wird dieses Vorhaben nicht leichter. Es sind somit nicht nur die finanziellen Herausforderungen, denen sich unsere Vereine momentan stellen müssen. Es sind personelle und vor allem strukturelle Herausforderungen, die die Existenz vieler Vereine bedrohen. Vereinsstrukturen aufrecht zu erhalten sollte jedoch auch in Ihrem Sinne sein, daher appellieren wir eindringlich an Sie: Setzen Sie diesem Wahnsinn endlich ein Ende, treffen Sie sinnvolle Entscheidungen und lassen Sie uns inzidenzunabhängig ohne Test-, Impf- oder Genesenennachweis Tennisspielen. Andernfalls tragen der Tennissport und die ganze Vereinslandschaft in Baden-Württemberg irreparable Schäden davon.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Stefan Bitenc                                   Stefan Hofherr
Präsident                                         Präsident
Badischer Tennisverband e.V.         Württembergischer Tennis-Bund e.V.