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Von Vereinen für Vereine: „Wer zu uns kommt, kommt wegen uns“

Der TC Grün-Weiß Ilsfeld im südlichen Bereich des Landkreises Heilbronn ist eine Gemeinschaft von Mannschaftsspielern von Jung bis Alt mit einem großen Gemeinschaftssinn und vielen Ideen.

26.07.2018 Allgemein

Wenn im Sommer Mitglieder in Badehose oder -anzug die Anlage des Tennisclub Grün-Weiß Ilsfeld betreten, dann ist das nichts Ungewöhnliches. Gleich nebenan nämlich befindet sich das Freibad der rund 9.000 Einwohner zählenden Gemeinde im südlichen Bereich des Landkreises Heilbronn. Des Freibades wegen hat der 1955 gegründete Tennisverein im Jahr 2010 sogar den kompletten Neubau seiner sechs Freiplätze und des Clubhauses auf sich genommen. Dass sich der Club stabil bei über 300 Mitgliedern (mit leicht steigender Tendenz) hält, ist auch dem Umstand geschuldet, dass es für fast alle vom Kids-Cup bis ins Seniorenalter Platz in einer der aktuell 20 Clubmannschaften gibt.
„Darauf haben wir immer großen Wert gelegt“, sagt zu dieser Ausrichtung Wolfgang Ocker, seit 1998 der neunte 1. Vorsitzende in der Geschichte des aufgrund der Wappenfarben der Gemeinde als TC Grün-Weiß Ilsfeld ins Vereinsregister eingetragenen Clubs. Allein schon durch das Jugend- und Mannschaftstraining sind die Plätze während der Freiluftsaison ordentlich ausgelastet. Dadurch ist ständig Leben auf der Anlage. Trotzdem wird natürlich auch an den Breitensport gedacht: „Ein Platz zum freien Spiel ist immer reserviert, mittwochs wird zwischen Kaffee und Kuchen auch Doppel gespielt, dazu ist jeder eingeladen“, so Wolfgang Ocker.

Umbau als Chance für den Neustart

Als vor rund zehn Jahren seitens der Gemeinde Ilsfeld Überlegungen für eine Erweiterung des Freibades anstanden, führte dies zwar zu zahlreichen Diskussionen unter den Mitgliedern, in Summe aber erkannte man die sich dadurch bietende Chance auf einen Neustart. Dazu musste der Tennisclub noch nicht einmal seine schon damals exklusive Nachbarschaft zum Freibad aufgeben, sondern lediglich auf die andere Seite des an der Schozach gelegenen Geländes umziehen. Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn Mitglieder nach dem Tennisspiel in der Umkleide ihres Vereinsheims in den Badedress wechseln und für ein Erfrischungsbad das Sportgelände wechseln.
Im Rückblick erwies sich die Errichtung einer neuen Anlage auf einer vormals als Campingplatz für Dauercamper genutzten Fläche als goldrichtig. „Wir waren damals schuldenfrei, hatten Rücklagen, und bekamen für unser altes Clubhaus, das noch mit einer Pacht belegt war, eine Ablöse von der Gemeinde“, blickt Wolfgang Ocker zurück. Da die Verwaltung auch ein neues Freibadgebäude errichten ließ, ließ man vom gleichen Architekten auch Pläne für das Clubhaus erstellen. Dafür wurden vorzeitig Gespräche mit dem WLSB über Zuschussmöglichkeiten geführt. Der Einbezug eines Büros sowie ein großzügiger Bereich für die Unterbringung von technischen Gerätschaften, die Einlagerung der Tennisnetze und -pfosten über den Winter sowie einem Trainerraum wurden durch diese besondere Ausweisung gefördert. Die Nutzräume, die der seit 40 Jahren als Technischer Leiter aktive Claus Nagel hier zur Verfügung hat, kommen im Vergleich zu den oft vollgestopften Verschlägen vieler anderer Vereine im Ländle fast schon einem Königspalast gleich. Seit Nagel Rentner ist, ist die Anlage nun erst recht zu seinem zweiten Wohnzimmer geworden.
Bei der Neugestaltung des Clubgeländes vor acht Jahren packten dann während des praktischerweise sehr milden Winters rund 40 bis 50 freiwillige Helfer regelmäßig an den Wochenenden an, um die sechs neuen Spielfelder und die Außenanlagen mit Terrasse und Springbrunnen anzulegen. „Da haben wir unsere Mitglieder bei der Ehre gepackt“, erzählt Ocker davon, wie rund 90.000 Euro durch Eigenleistung gespart wurden. Dabei wurde sowohl darauf geachtet, dass zwischen zwei Plätzen immer ein Zwischengang angelegt wurde, wodurch bei Heimspielen hautnah auf jedem Platz mitgefiebert werden kann. Eine Zisterne für die Bewässerung der Plätze hilft, die Wasserkosten äußerst gering zu halten. „Nur beim Innenausbau des Clubhauses haben wir uns rausgehalten“, sagt Ocker.
Geschickt am Clubhaus ist, dass es über einen direkten Zugang zum Küchenfenster der Freibad-gastronomie verfügt, und so immer auch auf Zuruf ofenfrische Pizzen, Pasta oder Salate über den „Hof“ gereicht werden. In der eigenen, großzügig und modern eingerichteten Clubhausküche herrscht hingegen das Selbstversorgerprinzip vor. Für den Durst tagsüber können sich die Mitglieder an einem Automaten Getränke ziehen, um den Getränke-nachschub kümmert sich Vergnügungswartin Andrea Nocera, der Abholmarkt ist zum Glück nur ein paar Hundert Meter entfernt. Von einer der in der Weinregion um Ilsfeld ansässigen Weingenossenschaften lässt sich der TC Ilsfeld Weine und Sekt mit einem eigens kreierten TCI-Etikett liefern. „Matchball“ heißt der Trollinger, „Topspin“ der Weißwein, „Volley“ der Rosé – und zu Aufstiegen oder anderen Anlässen stößt man mit einem „Netzroller“-Sekt an. Wenn nötig, sind dies auch immer passende Geschenke.

Ein aktive Untergruppe mit 50 Boulefreunden

Auf eine bauliche Besonderheit ist man beim TC Ilsfeld besonders stolz: ein „Boulodrom“ mit vier Spielfeldern – und sogar mit Flutlicht. „Die Idee kam von unserem ehemaligen Kassier Manfred Schelle, der mit Helmut Krauth einen begeisterten Boulespieler fand, welcher heute sämtliche Bouleaktivitäten im TCI leitet. Tatsächlich haben wir dadurch viele Tennissenioren bei uns halten können. Das Boule in eine eigene Abteilung auszulagern haben wir aber von Anfang an abgelehnt. Wir sind ein Tennisverein, und das wollen wir auch bleiben“, so Wolfgang Ocker. Rund 50 Boulefreunde umfasst diese Untergruppe im Verein. Sommers wie winters haben sie dienstags und donnerstags und manchmal auch an anderen Tagen ihre Freude dabei, die schweren Metallkugeln möglichst nahe an das „Schweinchen“ zu legen.

Nachwuchs und Familien mit starkem Zusammenhalt begeistern

Nicht zuletzt der Kraftakt des Umzugs und der Neuerrichtung der neuen TCI-Anlage haben die Wahrnehmung der Bevölkerung auf die Tennisspieler wie auch den Zusammenhalt der Tennisspieler untereinander stark gefördert. Und auf diese Momente wird seit einigen Jahren auch gebaut, um vermehrt weiteren Nachwuchs und Familien für den Tennissport zu begeistern und an den Verein zu binden.
Im Winter 2010/2011 startete der TC Ilsfeld erstmals eine Kooperation mit Schulen, hatte dann aber schlichtweg nicht die Kapazitäten, um dem Ansturm von 150 Kindern aufgrund der begrenzten Hallenverfügbarkeit in der seit 1978 in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Club bestehenden privaten Tennishalle Wunnenstein gerecht zu werden. Erst Jugendwartin Martina Heimann unternahm dann vor zwei Jahren einen neuen Anlauf, zunächst mit einem, seit 2017/2018 drei Ilsfelder Kindergärten. Da eine der Damen 40 als Erzieherin in einer der Tageseinrichtungen tätig ist, verfügt man hier über einen guten Kontakt zur Gemeinde. Grundschüler werden nun vermehrt über Ferienprogramme und -camps oder auch einen Tag mit „Spaß rund um Ball und Schläger“ in der vorletzten Schulwoche angesprochen. Werbung wird dabei auch mit einem Stand bei der Vorstellung des Gemeinde-Sommerferienprogramms gemacht. Die Eltern der Kinder versucht man, über Aktionen wie den Eltern-Kind-Tag oder ein lockeres Familien-Doppel-Turnier zum Saisonabschluss anzusprechen, immer wieder bietet man interessierten Familien auch Schnupperangebote an. Hinzu kommen für die Jugendlichen Ausflüge, zum Beispiel in einen Klettergarten oder zu einer Soccer- und Minigolf-Anlage mit bis zu 40 Teilnehmern.

Vielschichtige Aktivitäten

Ausflüge stehen aber auch bei den Erwachsenen regelmäßig an, genau genommen folgen sie Jahr für Jahr und Monat für Monat einem bestimmten Fahrplan. So geht es mit dem Skiclub Heilbronn schon seit 18 Jahren in den Schnee, im Mai schwingt man sich aufs Rad, um in der näheren Umgebung ein Fest oder einen Besen anzusteuern. Ähnlich verfährt man im Oktober mit einer Wanderung zu einem meist geschichtsträchtigen Ziel in der näheren Umgebung, was wiederum vermehrt die Senioren im Club anspricht, Einkehr auch hier inklusive. Das Vorstandsteam – mit dazu zählen auch noch Jochen Schäfer (2. Vorsitzender), Gino Nocera (Sportwart und Vereins-trainer), Andrea Kunze (Finanzen) und Andrea Beck (Schriftführerin) – hält sich darüber hinaus jedes Jahr ein Wochenende für einen gemeinsamen Vorstandsausflug mit Partnern frei. Etliche große Städte hat man so schon – auf eigene Kosten, versteht sich – bereist, und kehrt nicht selten mit neuen Ideen für den Club zurück.

Adventszauber und vieles mehr…

Eine dieser Ideen ist der im vergangenen Dezember erstmals auf der Clubterrasse veranstaltete „Adventszauber“. Zufällig bekam Wolfgang Ocker mit, dass der private Organisator des Ilsfelder Weihnachtsmarktes sein Engagement nicht mehr weiterführen wollte und bot dem Rathaus an, in die Bresche zu springen – allerdings nicht auf dem Marktplatz der Gemeinde, sondern beim Tennisclub. „Ein Versuch war es wert“, so Ocker. Die bisherigen Aussteller aus dem Bereich Kleinkunst und Selbstgemachtes wurden angesprochen, um die Bewirtung kümmerte sich der Tennisclub – und die rund 4000 Weihnachtsplätzchen buken die Vorstandmitglieder persönlich aus 80 Kilogramm Teig. Musikalisch umrahmt wurde der Nachmittag und Abend von einem Kindergartenchor, dem Ilsfelder Posaunenchor sowie Dudelsackspielern aus dem Verein. Der Vereinskasse hat dies sichtlich gut getan – womit auch die Skeptiker im Club vollends überzeugt waren. Bei der Suche nach Helfern hatte Wolfgang Ocker im Vorfeld aber auch präzisiert, dass hier mithelfenden Mitgliedern keine Arbeitsstunden verrechnet würden. Logisch, dass diesen Advent wieder an diesen Erfolg angeknüpft werden soll.
Des Weiteren kommen die Ilsfelder Tennisspieler während der Wintersaison für Filmabende im Clubhaus zusammen, gefragt sind da nette kleine Arthouse-Filme, um die die großen Kinos gerne einen Bogen machen, weil sie kein Massenpublikum ziehen. Auch Fußball- und Tennisübertragungen holt man sich live in die gute Stube. Aufgrund seiner Größe von rund 100 Quadratmetern eignet sich der Clubraum zudem zur Vermietung für Feiern und Feste an Externe – rund 20 Termine im Jahr bedeuten auch hier eine entsprechende Einnahme für die Vereinskasse.
Sogar eine Clubmeisterschaft gibt es beim TC Ilsfeld noch – wenngleich seit Einführung der Leistungsklassen nicht mehr mit einer ganz so großen Beteiligung wie noch zu Tennisboom-Zeiten. Dafür aber sind Clubhaus und Terrasse mit mehr als 100 Besuchern gut gefüllt, wenn es beim Saisonabschluss dann heißt: „Der Vorstand grillt für seine Mitglieder“. „Wenn wir was schaffen, dann wollen das natürlich alle sehen“, merkt dazu Jochen Schäfer, der zweite Vorsitzende und für einen Großteil der Mitgliederprogramme verantwortlich, an. Zu diesem Anlass werden alle Aufsteigerteams der vorangegangenen Verbandsrunde geehrt, jedem erfolgreichen Team winkt dabei eine Eistorte – womit sich die Frage, wer den Nachtisch bringt, erübrigt. Ebenfalls beliebt: das Schleifchenturnier und ein „Balkonia“-Turnier für in den Ferien Daheimgebliebene.

Die Gemeinsamkeit steht im Vordergrund

„Vereine sind heute gefordert, neue Strukturen zu erbringen, über die sich Identifikation und Zugehörigkeit schaffen lassen“, ist Wolfgang Ocker überzeugt. Lässt man die vielfältigen Aktivitäten des TC Grün-Weiss Ilsfeld Revue passieren, so lässt sich gewiss sagen, dass der Club es geschafft hat, eine gültige Form der Verbundenheit seiner Mitglieder untereinander zu schaffen. Nicht primär der sportliche Erfolg steht im Vordergrund, sondern der gemeinsame Spaß am Sport und am geselligen Miteinander, wobei dies alles alters- und generationenübergreifend gedacht ist. Jedes Mitglied im Verein hat hier seinen Platz, jeder findet sich wieder. „Wer zu uns kommt, kommt wegen uns“, sagt Wolfgang Ocker. Sein Leistungsniveau generiert der Club aus sich und seinen Mannschaften heraus. „Natürlich ist es schön, wenn man aufsteigt. Bei uns funktioniert es aber schon, wenn die Mannschaften funktionieren und wir Geselligkeit leben können.“ Dass sowohl die beiden Damen- wie Herrenmannschaften aus Spielerinnen und Spielern aus der eigenen Jugend bestehen, bestätigt diese These.
Thomas Volkmann


Neu aufgelegt: „Von Vereinen für Vereine“

Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung sind feste Bestandteile des Vereinslebens. In Zeiten rückgängiger Mitgliederzahlen fordern diese Schlagworte die Aktivität des Trainerteams sowie der gesamten Vorstandschaft eines Tennisvereins bzw. einer Tennisabteilung heraus. Die Wichtigkeit solcher Aktivitäten wird von keinem Vereinsfunktionär oder den einzelnen Mitgliedern bestritten, häufig hapert es allerdings an der Umsetzung, den Ideen, der Gewinnung von Mitarbeitern etc. – eine vielschichtige Problematik.

Doch erfreulicherweise gibt es auch Beispiele von Tennisclubs im Gebiet des Württembergischen Tennis-Bundes, die über unterschiedliche Ansätze ein florierendes Vereinsleben in Kombination mit steigenden Mitgliederzahlen aufgebaut haben. In der neu aufgelegten Serie „Von Vereinen für Vereine“ werden diese Clubs vorgestellt.

Weitere Informationen gibt es HIER


Daten und Fakten des TC GW Ilsfeld

Gegründet: 1955, 6 Sandplätze, private
Dreifeldhalle in der Nachbarschaft, Boule-Anlage mit 4 Spielfeldern

Mitglieder aktuell: 340, davon 75 Jugendliche; Höchststand Mitglieder 1998: 342 Aktive/Jugend; im Jahr des Umzugs 2010/11: 300 Aktive/Jugend

Anzahl Mannschaften aktuell: 4 Aktive, 8 Senioren, 8 Jugend

Topmannschaften: Damen 40 (Oberliga), Herren 40/50 und Damen 50 (Verbandsliga)

Trainer: Gino Nocera (seit 2010, B-Trainer Leistungssport)

Ansprechpartner: Wolfgang Ocker, Tel: 07062 9762134, E-Mail: w.ocker@t-online.de, www.tc-ilsfeld.de